»Brumm, brumm, Aldi!«

Freitag, 24. Juni 2011

»Aldi!«, sagt mein eineinhalbjähriger Sohn, und in seiner Stimme schwingt überbordende Freude mit. Er steht mit leuchtenden Augen vor mir und streckt mir einen Prospekt entgegen. Darauf ist ein großes Logo abgebildet, das eindeutig einem Discounter zuzuordnen ist. Allerdings nicht dem Marktführer, sondern seiner Konkurrenz.

»Nein«, erkläre ich meinem Kleinen, »Lidl!« »Aldi«, wiederholt der strahlend, und es beginnt ein Ping-Pong-Dialog à la Gerhard Polts »Nikolausi«. Denn mein Söhnchen ist Aldi-Fan durch und durch. Wenn wir mit dem Auto auch nur in die Nähe eines Aldi-Markts kommen, entdeckt er das blau-orange-weiß-farbene Logo und jubelt, so lange es sichtbar ist: »Aldi, Aldi, Aldi«.
Wir gehen auch nicht einfach nur einkaufen - denn wenn wir andeuten, dass eventuell möglicherweise »der Aldi« das Ziel sein könnte, dann sind wir noch nicht beim »L« angelangt, da rast er auch schon los, reißt den Schrank auf, holt sein Halbschuhe heraus, setzt sich auf die Treppe – und kann es kaum erwarten, dem Ziel seiner Träume entgegenzufahren: »Brumm, brumm, Aldi!« Da hilft nichts: Ein Seminar muss her. Ich setze den kleinen Mann auf meinen Schoß und nehme ihn mit auf seine erste Reise durch die Tiefen des Internets. »Aldi«, ruft er beim bekannten Logo, doch staunend, mit offenem Mund, erlebt er, wie die Zeichen der Lebensmittelketten vor seinen Augen aufleuchten. »Lidl«, »Netto«, »real«, »Rewe«. Endlich, bei »Edeka« klappt es, mein Sohn murmelt »Edeka«, schließlich kennt er den Buchstaben »E« schon. Geschafft!

Jetzt muss mein kleiner Wirbelwind aber wieder los. Runter vom Schoß, rein ins Wohnzimmer. Er kommt mit einem Edeka-Prospekt zurück, und ich erwarte stolz das Ergebnis meiner väterlichen Lehrstunde. Er zeigt auf das gelbe Edeka-E, strahlt über das ganze Gesicht und sagt: »Aldi!«