»Holt mich hier raus!«

Samstag, 25. Juni 2011

Willkommen im Dschungel! Es ist noch gar nicht lange her, da haben wir uns alle ein »schönes neues Jahr« gewünscht. Alles Gute, Liebe, Nette. Und was ist davon geblieben?

Jeden Abend ziehen uns die Weltwirtschaftsschwarzmaler in den dunklen Schlund ihrer düsteren Orakel, versprechen uns Höllenqualen, garnieren ihre sadistischen Phantasien mit Mangel und Pein und brennen dem jungen Jahr mit heißen Eisen Niedergang und Ruin in seine gar nicht mehr rosige Haut.
Wir sitzen währenddessen hilflos in unserem Dschungelcamp, sind vom Dauerregen schlechter Nachrichten bis auf die Knochen durchnässt, ernähren uns nur noch von Bohnen und Reis und zittern, dass wir nicht die nächsten sind, die ran müssen, wenn die Weltwirtschaft ihre Kakerlaken- und Larvenschleim-Kübel über unseren Köpfen entleert. Oder die mit einer Nadel in die nächste Riesenblase fauler Kredite stechen müssen, um dann vom stinkenden Inhalt der platzenden Ekelmasse weggeschwemmt zu werden. Oder die ausgewählt werden, in den Giftschränken der Finanzbranche über deren Kellerleichen zu steigen, um über den ein oder anderen sternfunkelnden Hoffnungsschimmer das Dasein für alle Camp-Bewohner erträglicher zu gestalten. Überhaupt: In unserem Camp wird die Stimmung gereizter, immer mehr Bewohner mutieren zu Giulias und wissen natürlich viel besser als alle anderen, was zu tun ist, damit die Lage besser wird. Und was alle anderen immer und immer wieder falsch machen. Und wir schaufeln den Dreck von einer Ecke zur anderen und zurück. Streit, Zank und Hader, Zickereien und Geschrei, Beleidigungen und Respektlosigkeit -- von einem schönen Jahr kann keine Rede sein. Da hilft nur eins: »Ich bin normal, holt mich hier raus!«

Ich wünsche Ihnen von ganzem Herzen ein wunderbares neues Jahr -- 2010.