Horrorwesen greifen an

Samstag, 25. Juni 2011

Sie regen mich auf. Wenn ich sie sehe, laufe ich rot an und werde fuchsteufelswild. Ich kann sie nicht außtehen, und ihre Anwesenheit macht mich krank. Vor allem in meiner Küche. Kaum ist ein Stück Obst länger als einen Tag im Haus, bevölkern sie meine Obstschale und nehmen von dort aus ihr Ziel, die Beherrschung meiner ganzen Wohnwelt, in Angriff.

Im wahrsten Sinne des Wortes, denn plötzlich sind sie überall. An Schränken, Fenstern, Wänden, Decken. Am Tag und in der Nacht. Sie verfolgen mich bis in den Schlaf. Ich muß vor schwarz-rot-braunen Schwärmen dieser miesen Kreaturen flüchten, bis ich schweißebadet aufwache.
Die Drosophila melanogaster, die irreführend niedlich auf Deutsch »kleine Obstfliege« genannt wird, legt 400 Eier, aus denen binnen acht Tagen 400 neue dreckige, ärgerliche, aufdringliche, ekelhafte, schleimige, kleine Obstfliegen werden -- die wiederum jeweils 400 Eier legen, aus denen wiederum...

Doch ich wehre mich gegen die Enteignung meiner Küche. Bis an die Zähne mit Klebefallen und Fliegenklatschen bewaffnet, lege ich mich zu allem entschlossen auf die Lauer und jage die Biester, bis keines mehr übrig ist.
Ich zermalme sie zwischen meinen zusammenklatschenden Händen, ich zertrete sie auf dem Fußboden, und ich zerquetsche sie an den Fensterscheiben. Nach etwas mehr als einer halben Stunde ist der Spuk vorbei, und ich recke triumphierend meine Hände in die Luft: Sieg!

Doch eine erboste Stimme reißt mich aus meinem Freudengeheul. »Sag mal, spinnst du? Bist du völlig übergeschnappt?« Meine Frau tippt sich an die Stirn. »Schau dir mal an, wie es hier aussieht!«

Naja, die Schlacht hat eben ihre Spuren hinterlassen an Schränken, Fenstern, Fußboden. Dass ich den Rest des Tages mit Putzen zubringen muss, sollen sie mir aber beim nächsten Mal büßen! Diese Mistviecher!