Lesen! Und zwar sofort!

Freitag, 24. Juni 2011

Lesen Sie diese Satire! Jetzt! Lesen Sie hier, wie Sie täglich gegängelt werden! Lesen Sie, wie Ihnen andere Leute mittels Schildern und Zetteln vorschreiben wollen, wie Sie sich zu benehmen haben und was Sie zu tun haben! Lesen Sie das! Sofort!

»Kisokuo mamoru« begrüßen die Japaner alle Ausländer am Flughafen, »beachten Sie die Regeln!« Genau! Und damit das leichter fällt, bekommt man die Regeln auf Schritt und Tritt plakativ mitgeteilt. Den MP3-Spieler leiser drehen! Das Handy ausschalten! Und gefälligst keinen Müll liegen lassen! Am Ausgang der überfüllten U-Bahn: »Gehen Sie noch einmal zurück zu Ihrem Platz und schauen Sie nach, ob Sie nicht noch etwas vergessen haben!« Währenddessen quetschen die U-Bahn-Drücker gerade die letzten Fahrgäste in den Waggon für die Weiterfahrt.
»Casa privada« grüßt ein Schild mitten auf einer Straße auf Menorca, »privater Grund«. Vorbei ist's mit der Fahrerei ein eisernes Gitter, mehrfach gesichert mit schweren Ketten, verrät, dass der Besitzer nicht will, dass Fahrzeuge seinen Privatbesitz durchqueren, deshalb ist hier Schluss! Umkehren! Anderen Weg suchen! Und zwar zackig! Und hoffen, dass dort kein anderer Grundbesitzer das beliebteste Schild Menorcas an eine über die Straße betonierte Granitwand genagelt hat: »casa privada«. »Man bittet, diesen Ort so zu verlassen, wie man ihn vorzufinden wünscht«, begrüßt uns ein emailliertes Schild auf einer fünf Zentimeter tief unter »Wasser« stehenden stillen Örtlichkeit in Deutschland. Die zweite Station befiehlt, dass sich Männer zur Erledigung ihrer Geschäfte »umdrehen und hinsetzen!« Zack, zack! Weiter folgende Nachrichten aus dem Schilderwald: »kräftig spülen!«, »Hände waschen nicht vergessen!«, »Licht aus!«

Schon gut, ich gehe. Und wenn Sie jetzt diesen Text verlassen, dann so, wie Sie ihn vorzufinden wünschen! Nicht bitte, sondern gefälligst!