Nichts geht mehr!

Samstag, 25. Juni 2011

Ich schwitze. Doch daran ist nicht das heiße Wetter schuld. Ich spüre Druck, den die hinter mir Stehenden aufbauen. Mein Puls rast, mein Herz klopft und stellt die Blutzufuhr zu meiner Denkzentrale ein.

Nichts geht mehr. Vor mir starrt ein Augenpaar in meine Richtung. Erst gelangweilt, dann erwartungsvoll, dann skeptisch und jetzt sogar schon leicht amüsiert blickt mich die Frau an und wartet darauf, dass ich endlich etwas unternehme. Aber ich kann nicht. Mein Hirn ist leer. Kein Blut! Und es wird nicht besser, wenn sie so guckt.
Vielleicht bin ich unterzuckert. Vielleicht habe ich zu wenig gegessen. Oder zu viel. Und jetzt ist mein Körper komplett damit beschäftigt die Nahrung zu verdauen und hat keine Kapazitäten mehr frei, um auch noch der Schaltzentrale ein paar Energie-Einheiten zukommen zu lassen, damit diese peinliche Situation endlich sein Ende hat.

Hinter mir wird aus der leichten Unruhe hektische Nervosität. Wie lange soll das mit mir hier noch dauern? Wie lange will ich noch dastehen und nichts tun? Es kommt mir schon vor wie Stunden, obwohl es wahrscheinlich eher Sekunden waren. Ich warte auf eine Eingebung, von oben, von innen, von was-weiß-ich-wo. Aber es kommt nichts. Alle Leitungen sind tot. Was soll ich tun?
Die Frau vor mir ändert ihre Stimmlage und redet mit mir wie mit einem kleinen Kind. »Ja, was machen wir denn da«, fragt sie sich und mich und versucht herauszubekommen, ob es für mich einen Ausweg geben könnte.

Mindestens 1000 Mal habe ich das schon getan, was da von mir erwartet wird, und 1000 Mal hat das auch geklappt, ohne Zögern, ohne Nachdenken, einfach so. Aber das hilft jetzt nichts. Ich muss den Vorgang abbrechen und hier raus.

Halt! Ein Gedankenblitz! »Ich versuche es noch einmal«, sage ich zu der milde lächelnden Supermarkt-Kassiererin und tippe sie tatsächlich in ihr kleines Gerät ein: meine EC-Karten-Geheimzahl!