Super, spitze, klasse, toll!

Samstag, 25. Juni 2011

»Hei, draußen regnet's -- aber die Natur braucht ja Wasser. Ha, ha. Wir können es uns ja mit einer schönen, heißen Tasse Kaffee gemütlich machen.«

Es ist (sehr!) früh am Morgen, und die aufgesetzt fröhlichen Moderatoren einer neudeutschen »Morningshow« im Radio quälen mich mit ihren unnatürlichen Alles-ist-so- schön-und-gut-und-super- Stimmen, mit denen sie scheinbar bestens gelaunt über Belangloses palavern, als sei es das Wichtigste der Welt -- und alle Katastrophen des Lebens einfach ausblenden.
Zum Beispiel: um 5.30 Uhr aufstehen zu müssen, um die zwei Großen schulfertig zu machen, nachdem sich ein Neugeborenes und ein Einjähriger in der Nacht damit abgewechselt haben, ihre Eltern wach zu halten.

»Das wird bestimmt wieder ein toller Tag«, flötet es aus den Lautsprecherboxen, »alles wird super, alles wird wunderbar.« Ich kann es nicht mehr aushalten, und während ich meine Augenlider mit Streichhölzern abstütze, damit sie nicht zufallen, werde ich etwas derb: »Halt's Maul!«

»Warum so griesgrämig?«, fragt einer der Moderatoren. Das hat ja zufällig auf das gepasst, was ich gesagt hatte. Witzig. Ich murmle vor mich hin: »Weil Ihr zwei nervt!« -- »Wir können nichts dafür, dass Du heute Nacht nicht geschlafen hast!«
Was ist hier los? Spricht jetzt das Radio mit mir oder was? »Aber Ihr könnt was dafür, dass Ihr so einen Schwachsinn redet.« -- »Können wir auch nicht, der Sender will das so. Und die Hörer.« -- »Ich nicht.« -- »Heute vielleicht. Aber die anderen Tage hat es Dich nicht gestört.« -- »Doch!« -- »Stimmt nicht!« -- »Doch!«

Ich zucke zusammen -- ich spüre eine Hand, die mich am Arm packt und durchrüttelt. »Okay, okay, Ihr zwei seid große Klasse«, stammle ich, starr vor Schreck. »Wissen wir«, antwortet eine ganz andere, junge Stimme, »aber statt hier im Stehen zu schlafen, solltest Du unser Frühstück machen. Wir müssen zur Schule!«