Superpapa in Aktion

Freitag, 24. Juni 2011

Ich bin ein Held! Ich bin Supermann! Mein Spezialhirn hat einen Speicher unvorstellbarer Größe, der Daten und Fakten aller Wissensgebiete in einer Tiefe und Genauigkeit beinhaltet, von der andere nur träumen können!

Meine handwerklichen Fähigkeiten sind derart außergewöhnlich, dass es mir möglich ist, alles und jedes nach Herzenslust zu reparieren, herzurichten und herzustellen. Ja, sogar magische Kräfte wohnen in mir, denn auch zaubern kann ich, falls meine anderen Superkräfte nicht ausreichen.

Nur kein Neid: Das ist keine Prahlerei. Ich kann nichts dafür, dass ich so bin, wie ich bin. Denn ich bin Vater!
Und in den Augen meines Nachwuchses gibt es niemanden, der mir auch nur annähernd das Wasser reichen kann.

»Du Papa!« Da haben wir's schon. Mein Sohn braucht väterlichen Rat. Moment: nur schnell den Superpapa-Anzug übergestreift, und schon kann's losgehen: »Was gibt's, mein Sohn?« »Ich bekomme einfach Linux nicht parallel zu Windows XP installiert.«

Es gibt Momente, in denen eine immens hohe Erwartungshaltung mit einer immens vollständigen Kopfleere kollidiert. Natürlich ist es mir möglich, einigermaßen unauffällig herauszufinden, dass Linux ein Betriebssystem ist.
Und dass das Söhnchen, das ich noch vor Kurzem auf dem Arm in den Schlaf gewiegt habe, nun gerne die Vorteile (?) zweier verschiedener solcher Systeme auf einem einzigen Computer nutzen möchte.

Doch spätestens wenn Superpapa in den Zweikampf mit dem Strom-saugenden, digitalen Weltbeherrscher geht, sind die eklatanten Wissenslücken nicht mehr zu kaschieren. »Also, erst mal müssen wir eine neue Partition erstellen«, höre ich eine 12-jährige Stimme sagen, ehe mich ein 12-jähriger Arm vom Stuhl schiebt, um mich durch einen 12-jährigen Körper zu ersetzen, der mit seinem 12-jährigen Kopf sämtliche Probleme ganz alleine meistert.

Die Zeit der Superhelden scheint vorbei zu sein.