Wer faltet die Zitronen?

Samstag, 25. Juni 2011

Wo Zitronenfalter die Zitronen falten, wo Geigerzähler die Anzahl von Violine spielenden Virtuosen bestimmen und wo sich Chefdenker ihre eigenen Bosse ausdenken, da fördern Familienförderer Familien -- mit zehn Euro mehr Kindergeld.

Wo Erbtanten Tanten erben, wo Kopfsteinpflaster auf eine harte Art und Weise Blutungen am Schädel stoppt, wo die Deichkrone den Deichgraf zum absolutistischen Herrscher des Meeresrandes macht, da werden viel mehr Kinder in die Welt gesetzt, weil Eltern ganz scharf auf Elterngeld sind.
Wo sich Hühnereier beim Eisprung vergnügen, Kartoffelsäcke um die Wette hüpfen, wo Eisschränke in der Sonne schmelzen und Zuckerzangen süß schmecken, da lösen Bundesfamilien-, -senioren-, -frauen-, und -jugendministerinnen mit geöffneten Geld-, Gold- und Monetenschatullen einen Babyboom nach dem anderen aus.

Wo Steuermänner die Abgaben an den Staat eintreiben und Hundesteuer den Platz bezeichnet, an dem Bello und Fiffi die Geschicke einer Segelyacht bestimmen, wo Umsatzsteuer die Redelustigen Satz um Satz finanziell hart trifft, da wird das Familienleben mit Hortplätzen von 5 bis 22 Uhr gefördert.
Wo die Kleinen im Kindergarten geerntet werden, wo man den Nachwuchs aus der Babyzelle zieht oder die neuen Erdenbürger aus dem Blasebalg pustet, da lassen prächtige Geburtenraten, prunkvolle Nachwuchs-Statistiken und perfekt erfüllte Bevölkerungsenwicklungsziele die Kinderseelen jubeln.

Wo man in Geldschränken Windeln aufbewahrt, Einschlaflieder nach Banknoten singt, wo man das Märchen des Pfennigfuchsers Zinssatz für Zinssatz vorliest, Neugeborene auf die Goldwaage legt und man im Dollarkurs das Wickeln lernt, da wird dem Nachwuchs viel Liebe entgegengebracht -- auf dem Bankkonto. Und vielleicht auch in der Babywiege. Aber Zitronenfalter falten keine Zitronen.